Alles Votze, Fotze oder doch nur Muschi?

Deutsch: Charlotte Roche

Deutsch: Charlotte Roche (Photo credit: Wikipedia)

Das fehlende Wort

Sex sells. Porno ist chic. Doch eines fehlt: Die adäquate Bezeichnung für die weiblichen Geschlechtsteile nämlich.

Stimmt nicht? Stimmt doch! Selbst in der Serie, die das Reden von Frauen über ihren Sex urban, hip und wohnzimmerfähig machte, wird nicht Klartext geredet. In der gesamten ersten Staffel von Sex and the City kommt gerade zweimal das Wort Pussy und einmal das Wort Cunt vor. Letzteres wird geäußert von einem Althippie vor einer schockierten Charlotte, die «das C-Wort haßt». Geht es allerdings um die Details beim Mann, nehmen Carrie Bradshaw und ihre Freundinnen kein Blatt vor den Mund. Der Dick ist ihr ständiger Begleiter, beim Klatsch über Mittag oder beim abendlichen Manhattan. Prost!

Wer nennt das Ding beim richtigen Namen?

Feuchtgebiete

Feuchtgebiete (Photo credit: Wikipedia)

Biedere Amis, könnte man denken, aber weit gefehlt: Auch im deutschsprachigen Raum tun sich Frauen schwer mit dem Reden über ihre Geschlechtsteile. (Lesen Sie auch: Vagina mit Maulkorb) Nach wenigen Minuten Internetrecherche stösst man auf Beiträge wie: «Ich weiß nicht, wie ich das weibliche Geschlechtsteil nennen soll» (Gofeminin.ch), «Was für Bezeichnungen für das weibliche Geschlechtsorgan, die nicht abwertend sind, fallen euch ein?» (Kurzefrage.de), und eine Userin von Med1.de findet es «enorm traurig, dass korrekte Bezeichnungen heute schon als fast unpassend erscheinen, nur weil wir von Kindheit an nicht lernen, dass man Dinge auch ruhig beim richtigen Namen nennen darf…».

Deutsch: Männliche Geschlechtsteile von der Seite

Deutsch: Männliche Geschlechtsteile von der Seite (Photo credit: Wikipedia)

Was ist also los mit dem weiblichen Geschlecht und ihrem Geschlecht? Sind Frauen fantasielos? Oder einfach zu wählerisch? Denn an Synonymen für «da unten» mangelt es nicht, das Spektrum ist breit, von Dose über Lustgrotte, von Kitty bis Yoni gibts alles und noch mehr. Doch sagen Frauen diese Worte tatsächlich? Und, wichtiger, sagen sie sie gern?

Manches klingt gut, ist aber nicht alltagstauglich, leider

Eine kleine Umfrage im Freundinnenkreis der Autorin ergab: nicht wirklich. Irgendwie scheint keines richtig zu passen:

Muschi (meistgenannt): «So nennt man Kätzchen.»

Drainage basin of Oder River, German version

Drainage basin of Oder River, German version (Photo credit: Wikipedia)

Vagina? «Biologieunterricht.» Fotze: «Etwas, das man wegschmeissen sollte.»

Scheide? «Harmlos.» Pussy? «Fremdsprache.»

Klitoris? «Zu kompliziert.»

Spalte, Loch und dergleichen: «Zu geografisch.»

Punani, Mumu und weitere dem Kamasutra oder der Kindersprache entlehnte Begriffe mögen in manchen Situationen passen, aber heißer Dirty Talk läßt sich damit nicht gerade betreiben. «Leck mir die Mumu, du Sau» – na ja.

Das Problem läßt sich nicht wegreden: Frauen fehlen beim Sex die Worte – oder besser das Wort. Etwas Praktisches, in jeder Situation Einsetzbares, nicht zu Klinisches, einigermassen Versautes, aber nicht zu Abwegiges und vor allem Selbstverständliches gibts für die primären weiblichen Geschlechtsteile nicht. Das läßt sich einfach erklären, das sexuelle weibliche Selbstbewußtsein ist noch jung, die männliche Sicht auf den (und die Rede über den) weiblichen Körper bestimmt noch immer unseren Alltag, sei es auf dem Werbeplakat, im Youporn-Film oder im Bett. (Lesen Sie auch: Der Vagina-Komplex)

Während Männer es gewohnt sind, über ihre Geschlechtsteile zu sprechen, ist das bei Frauen noch immer etwas, worüber sie erröten, was Mut braucht, was viele nicht gern tun. Zu privat, zu geheim, zu fest mit Scham behaftet.

Die sehr lustige Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch brachte es 1982 in einer ihrer feministischen Kolumnen auf den Punkt: Wo bei der Frau alles mit Schämen zu tun habe, höre für den Mann «das Schämen schon beim Schamhaar auf.

Der Rest heißt nicht etwa Schamstängel oder Schambeutel, sondern Glied und Hoden.» Voilà.

Seither hat sich bekanntlich einiges getan: Frauen, die ihren Sex zum Thema machen, sind salonfähig geworden, sei dies im TV, im Netz oder in der Literatur. Dort steht Charlotte Roche für die wirklich versaute, 50 Shades of Grey für die vermeintlich versaute Ecke, und die erotische Berichterstattung in Kurzgeschichtenform findet reissenden Absatz, wie der Spiegel-Bestseller 33 Mal bester Sex beweist.

Doch auch dort: Das passende Wort fehlt, die Autorinnen schreiben darum herum. Da bleibt in der Realität nur eins: Weiter darüber reden, bis sich das Wort von selbst findet.

Oder selbst eins erfinden, das paßt. Wie Roches Erzählerin in «Feuchtgebiete», die ihre Klitoris nicht Klitoris nennt, sondern Perlenrüssel.

Warum nicht?

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2 Antworten zu Alles Votze, Fotze oder doch nur Muschi?

  1. Karl Dönitz - wir machen weiter schreibt:
  2. zentao schreibt:

    und ist das wichtig? Dass man weiss wie so ein Ding heisst? Man(n) brauchts oder eben auch nicht.Ein vollkommen übebewertetes Thema
    lg zentao

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